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Abschied vom Supermenschen


Joachim Pawlik ist Experte für Personalentwicklung, Vortragsredner und Geschäftsführer der Unternehmensberatung Pawlik Consultants.

Dieser Beitrag von Joachim Pawlik ist am 16. Februar 2019 in der Kolumne „Kompass“ in der Printausgabe des Hamburger Abendblatts erschienen.


Ein Kommentar von Joachim Pawlik

Vertrauen Sie Ihren Mitarbeitern? Hoffentlich! Denn diese Eigenschaft ist in einer dynamischen Arbeitswelt einer der herausragenden Erfolgsfaktoren. Unternehmenserfolg wird dort am wahrscheinlichsten, wo viele Mitarbeiter mitdenken, sich mit ihren Fähigkeiten einbringen und das Vertrauen haben, andere um Hilfe zu bitten, wenn sie selbst nicht weiterwissen.

Aber die eigenen Grenzen offen einzugestehen, halten insbesondere Führungskräfte für eine Schwäche. Genau dies ist ein fundamentales Missverständnis. Kompetenz ist wichtig. Aber Superman oder Superwoman hilft dem Team nicht weiter. Im Gegenteil. Wer nicht auch mal eine offene Flanke zeigt, riskiert einen negativen Dominoeffekt: „Andere versuchen dann ebenfalls, ihre Unzulänglichkeiten zu verbergen und in jeder kleinen Aufgabe manifestieren sich Unsicherheiten“, mahnt Jeffrey T. Polzer, Professor für Organisationsverhalten an der Harvard Business School.

Polzer hat einen Großteil seiner Forschungsarbeit den scheinbar unbedeutenden sozialen Interaktionen gewidmet, die aber die Dynamik in der Gruppe völlig verändern können. Ein Experiment der US-Psychologen Arthur und Elaine Aron verdeutlicht ihre Macht. Das Experiment kann man auch im Job anwenden. Probieren Sie es aus: Stellen Sie sich ein Gespräch mit einem Mitarbeiter vor, das gegliedert ist in zwei Frage- Teile. Im ersten Fragen-Set tauschen Sie sich über die Aufgaben aus, die der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin gerade besonders motiviert in Angriff nimmt. Im zweiten Set geht es ebenfalls um Persönliches und doch werden Sie den Unterschied merken. Hier kommen Fragen wie diese vor: Gibt es einen Karrierepfad, von dem Sie schon lange geträumt haben? Warum haben Sie ihn nicht eingeschlagen? Die Fragen im ersten Teil kann man noch aus seiner Komfortzone heraus beantworten. Die zweiten erzeugen vermutlich ein gewisses Unbehagen. Denn hier geht es um Geständnisse, um die Auseinandersetzung mit Schwachstellen. Genau dieses Gefühl der Verletzlichkeit schafft eine messbar höhere Vertrauensbasis.

Mit seinem „Vulnerability-Loop“, („Zyklus der Verletzlichkeit“) beschreibt Verhaltensforscher Polzer, wie Menschen, die anderen ihre Schwachstellen signalisieren, gegenseitig Vertrauen entwickeln. „Diese Signale werden innerhalb nur weniger Sekunden übertragen“, so erklärt Polzer, „aber sie ermöglichen es zwei Individuen, gemeinsam zu funktionieren“.

Zeigen Sie vor Ihrem Team also ruhig auch mal Schwächen und motivieren Sie es so, diese Lücken zu füllen! Geben Sie zu, dass Sie die Unterstützung anderer brauchen! Damit schaffen Sie ein Klima des Vertrauens, das elementar ist.

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